150 Jahre Siegfriedbrunnen
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150 Jahre Siegfriedbrunnen Vor 150 Jahren.. Chronik Die Burgunder Anekdoten

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Grasellenbach und der Siegfriedbrunnen (OZ/Nov. 2000)

Wer kennt nicht die Sage von Siegfried, dem stolzen Drachentöter, und seinem schmählichen Ende. Auf der Jagd wurde der Held hinterrücks ermordet, als er seinen Durst an einem kühlen Quell löschen wollte. Unverwundbar geworden durch das Bad im Drachenblut gab es doch eine Stelle auf der Schulter, die ungeschützt war. Die kannte Hagen von Tronje und streckte Siegfried deshalb mit seinem Speer nieder.
So steht es im Nibelungenlied, der bedeutendsten deutschen Heldendichtung des Mitelalters. Um 1200 entstanden, greift es jedoch auf Sagen der nordisch-germanischen Welt und Ereignisse der Völkerwanderungszeit zurück: den Untergang des Burgunderreiches im Jahr 436 etwa, den Tod des Hunnenkönigs Attila im Jahr 453 oder die Person des Ostgotenkönigs Theoderich (Dietrich von Bern). Sie werden mit der höfischen Welt des hohen Mittelalters verknüpft. Der Autor des Nibelungenliedes ist bis heute unbekannt, trotz vieler, manchmal geradezu rührend anmutender Versuche der Identifizierung. Doch eine andere Frage bewegt vor allem die Heimatforscher: Wo starb Siegfried? Wo liegt der Ort der ruchlosen Tat? Viele Dörfer erheben Anspruch darauf, den “einzig wahren” Siegfried-Brunnen zu besitzen. Zu ihnen zählt Grasellenbach im Odenwald.
Entdecker des dortigen Siegfried-Brunnens ist der Geheime Staatsrat Dr. Johann Friedrich Knapp aus Darmstadt. Bei seinen Forschungen stieß er im Jahr 1844 im Wald oberhalb von Grasellenbach auf eine Quelle. Sie war den Einheimischen schon lange bekannt, doch Knapp schien sie jenen geographischen Angaben zu entsprechen, die das Nibelungenlied bietet. Danach fand die verhängnisvolle Jagd im Gebirge statt, und zwar im “O-tenwalde” oder auch “Waskenwalde.” Den Ort “Ottenhain”, wo die Siegfriedquelle fließen sollte, identifizierte er mit dem Flurstück Totenhain in der Nähe von Grasellenbach.
Nachdem die Echtheit des Grasellenbacher Siegfried-Brunnens hinreichend bewiesen schien, fand 1851 die feierliche Deklaration statt. Ein altes Sühnekreuz wurde durch ein neugotisches ersetzt, auf dem stilgerecht der entsprechende Vers des Nibelungenliedes in mittelhochdeutscher Sprache eingemeißelt wurde.
Die Entdeckung des Siegfried-Brunnens fiel auf fruchtbaren Boden: vor allem bei jenen, die in Siegfried den Urtypus des deutschen Helden schlechthin sahen. Doch auch die Grasellenbacher wussten mit der neuen Errungenschaft rasch etwas anzufangen. Die Werbung mit der Sagengestalt bescherte dem kleinen Bauerndorf frühen Tourismus. Da machte es wenig, dass es auch anderenorts “einzig wahre “ Siegfried-Brunnen gab und andere Forscher Johann Friedrich Knapp schon bald verhement widersprachen. Heute ist die gesamte Region Grasellenbach Nibelungenland. Von Worms, dem einstigen Zentrum des Burgunderreichs, führt die Nibelungenstraße in den Odenwald. Wer heute durch den Luft- und Kneippkurort flaniert, stößt auf Schritt und Tritt auf Gasthöfe oder Pensionen, die sich mit den Figuren des Nibelungenliedes schmücken: Kriemhild, Hagen, Gunther und Brunhild- und eben Siegfried.

 

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