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Chronik der Siegfriedbrunnen-Feste
Am 12. August 1951 fand in Gras-Ellenbach das 100jährige Stiftungsfest des Siegfriedbrunnesns statt. Einhundert Jahre zuvor wurde die Quelle auf dem
Spessartskopf als diejenige gekennzeichnet, an der in grauer Vorzeit der Nibelungenheld Siegfried von dem Burgunder Hagen von Tronje ermordet wurde. Dabei folgte man in der Konsequenz nicht nur den vorgegebenen
Örtlichkeiten, welche dem Niebelungenlied zugrunde liegen, sonder auch der Tatsache, dass schon seit langer Zeit bei den Menschen im Überwald die Sage umlief, dass dies der Ort des Geschehens sei.
Lehrer Sebastian Jost, der spätere Konrektor und Ehrenbürger von Gras-Ellenbach, war der Initiator des Jubiläums. Der Höhepunkt war ein Festakt am
Siegfriedbrunnen, mitten im Wald. Zitieren wir an dieser Stelle aus dem damaligen Bericht der Odenwälder Zeitung:
"Hugo Voisin vom Nationaltheater Mannheim sprach in Anlehnung an die Wagner'schen Texte die Geschichte von Siegfrieds Tod, ehe der zum weltberühmten
Künstler gewordene Sohn des Odenwaldes, Joachim Sattler, die Arien aus 'Siegfrieds Tod' in den Gebirgswald erklingen ließ, am Klavier begleitet von Generalmusikdirektor Mechlenburg.
Gerade hierbei wurde dem einfühlsamen Teilnehmer an der Festveranstaltung klar, wie gut man daran getan hatte, auf mottenstaubige Requisiten zu verzichten.
Vor den ruhig verhaltenen Reitern, flankiert von den auf dem Nadelboden andächtig sitzenden und stehenden Zuhörern, strahlte das Heldenlied über die Köpfe hinweg und vermittelte einen prachtvollen, für viele unvergesslichen
Eindruck. Helga Lemke sprach dann noch den Text der Siegfried-Sage, wie er auf dem Stein des Brunnens eingehauen ist, ehe die Erbacher Jäger das Hornsignal 'Jagd aus' über die Berge erklingen ließen und damit die Zuhörer
wieder in die Wirklichkeit zurückriefen."
Der hessische Kultusminister Metzger war damals der Schirmherr des Festes. Um noch einige Ehrengäste zu nennen: Landrat Dr. Lommel, Dr. Gätz vom
OWK-Hauptausschuss, Kreisschulrat Regnitz, die Bürgermeister der Umgebung und viele andere. Der damalige Bürgermeister Jäst von Gras-Ellenbach begrüßte die Ehrengäste und rund 2000 Festteilnehmer herzlich. Es gab ein großes
Festzelt und mancherlei Darbietungen für die Gäste. Im Rahmen des Festes erhielt Wagnermeister Adam Helm (der Vater des Siegfriedbrunnens, wie er genannt wurde), als höchste Auszeichnung des Odenwaldklubs die 'Goldene Nadel
für treue Klubarbeit'. Die Pflege des Siegfriedbrunnens war und ist die Aufgabe der OWK-Ortsgruppe Gras-Ellenbach.
Um jeder Generation in Gras-Ellenbach ein Siegfriedbrunnen-Jubiläum zu gönnen, gab es am 2. und 3. Juli 1977 das Fest: 125 Jahre Siegfriedbrunnen. Jetzt
gab es die Niebelungenhalle, die schon Samstagabends bis auf den letzten Platz besetzt war. Auch wurde wieder ein Festakt am Siegfriedbrunnen veranstaltet. Wieder nahmen viele Ehrengäste und Besucher teil. Trachtengruppen,
Gesangs- und Musikgruppen brachten ihre Darbietungen und wieder erschallten Jagdhörner in Gras-Ellenbach, diesmal von der Jagdhornbläsergruppe Hubertus.
Die Zeit bleibt nicht stehen. Inzwischen sind weitere 25 Jahre ins Land gegangen. Wir haben das Jahr 2001 und wir feiern das 150ste Jubiläum. Immer wieder
hinterlassen die Nibelungen ihre Spuren in Gras-Ellenbach, wenn auch nur der Sage gemäß. Die alten Germanenstämme sind schon lange in den großen Volksgemeinschaften der Hessen, Schwaben, Bayern usw. aufgegangen, und selbst
diese kann man heute nur noch schwer definieren. Gras-Ellenbach aber darf von der alten Sage profitieren, nicht nur bezüglich des Kurbetriebs, sondern auch hinsichtlich der Pflege- und Erhaltung einer weit zurückreichenden
Geschichte.
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